phoneicon +49 (0) 208 400279 / Mo-Do 8°°-17°° Fr 8°°-16°°

Dr. Joachim Kemski

Sachverständigenbüro

Euskirchener Straße 54, D-53121 Bonn

 


  Messprotokoll

 Auftraggeber:

Fa. Heinrich  Dernbach

Meißelstraße 29

D - 45476 lheim/Ruhr

Probe:

DERNOTON-Fertigmischung

Probe-Nr.:

De 1

Datum der Probenahme:

11.06.2012

Bemerkungen:                              

Angegeben sind die langlebigen Nuklide der Zerfallsreihen, deren kurzlebige Folgeprodukte (T1/2 < 30 Tage)

sich mit ihnen im radioaktiven Gleichgewicht befinden.


Berichtsdatum:

30.08.2012

 

Ergebnisse

 

Nuklid Einheit spez. Aktivität +/- 2s bestimmt über Nuklid

 

232TH-Zerfallsreihe

228Ra Bq/g 0,007 0,002 228AC
228Th Bq/g 0,007 0,002 212Pb, 208Tl

 

238U-Zerfallsreihe

238U Bq/g n. b.   234Th
230Th Bq/g n. b.   230Th
226Ra Bq/g 0,007  0,002 214Pb, 214BI
210Pb Bq/g 0,009  0,004 210Pb

 

235U-Zerfallsreihe

235U Bq/g n. b.   235U
227Ac Bq/g n. b.   227Th, 223Ra

 

40K Bq/g 0,349 0,035 40K

 

Erläuterungen zu Radionuklidbestimmung an DERNOTON®-Fertigmischung

Eine Strahlenexposition des Menschen durch Bauprodukte ist in der Bundesrepublik Deutschland im Strahlenschutzrecht nicht geregelt. Die Strahlenschutzverordnung (StrlSchV 2001) schreibt für natürlich radioaktive Materialien keine Grenzwerte vor, hier ist die Belastung der Menschen am Arbeitsplatz zu bewerten. Eine Ausnahme stellen Rückstände aus Industrie und Bergbau dar, die unter konkreten Vorgaben einer Verwertung als Baustoff zugeführt werden können. Strahlenschutzbelange bezüglich eines Baumaterials werden über das deutsche Bauproduktengesetz (basierend auf der europäischen  Bauproduktenrichtlinie) durch die Einhaltung der bautechnischen Anforderungen an die Verwendbarkeit und das Inverkehrbringen der Baustoffe geregelt. In Artikel 3 der Bauproduktenrichtlinie werden die wesentlichen Anforderungen für eine Beurteilung von Bauprodukten unter Umwelt- und Verbraucherschutzaspekten definiert; in Anhang I sind diese im Detail erläutert. Gemäß der Anforderung Nr. 3 „Hygiene, Gesundheit und Umweltschutz" dürfen  Bewohner eines Bauwerkes nicht durch die Emission gehrlicher Strahlen" gefährdet  werden. So wird die natürliche Radioaktivität von Baustoffen zwar qualitativ berücksichtigt, quantitative Maßstäbe werden aber nicht  genannt.

In der Praxis lehnen sich Bewertungen von Bauprodukten an die EU-Empfehlung Radiation Protection 112 (1999) an. Diese erlaubt unter Zugrundelegung einfacher  Modellannahmen eine orientierende Bewertung anhand der spezifischen Radionuk\idaktivitäten von Ra-226 (aus der U-238-Zerfallsreihe), Th-232 und K-40 für die äußere Strahlenexposition derjenigen Personen, die sich in den Räumen aufhalten. Aus den drei Aktivitäten CRa, CTh und CK wird mittels einer Summenformel ein Indexwert I berechnet. Hierbei gilt:

I = CRa [Bq/kg]/300 [Bq/kg] + CTh [Bq/kg]/200 [Bq/kg] + CK [Bq/kg]/3000 [Bq/kg]

Für eine Bewertung wird zwischen Wandbildnern und Materialien für den Oberflächeneinsatz (mit nur geringem Massenanteil) unterschieden. Bei Wandbildnern, denen das untersuchte Material zuzuordnen ist, wird dem Indexwert von I eine Dosis von 1 mSv/a zugewiesen.

Für die DERNOTON®-Fertigmischung ergibt sich mit CRa = 7 [Bq/kg], CTh = 7 [Bq/kg] und CK = 349 [Bq/kg] ein Indexwert I von ca. 0,18. Dieser liegt deutlich unterhalb der Schwelle von I, der einer Dosis von 1 mSv/a entspricht.

Für die Verwertung oder Beseitigung natürlich radioaktiver Materialien sind die Vorgaben nach StrlSchV §§ 97-99, Anlage XII zu beachten. Es sind die jeweils maximalen Radionuklidaktivitäten der U-238- und Th-232-Zerfallsreihen zu ermitteln und zu addieren. Diese Summe ist mit den Überwachungsgrenzen abzugleichen.

Für die DERNOTON®-Fertigmischung mit CRa = 0,007 [Bq/k] und CTh = 0,007 [Bq/g] ergibt sich ein Wert von 0,014 Bq/g (= 14 Bq/kg). Dieser liegt deutlich unter der Überwachungsgrenze von 0,5 Bq/g (= 500 Bq/kg), die eine Verwertung des Materials im Hausbau erlaubt, wobei dieses mehr als 20% zum Baustoff beitragen darf.

 

Bonn, 30.8.2012

Dr. Joachim Kemski